
Begegnungen, Erinnern, Zukunft gestalten
Unsere deutsch-französische Projektfahrt nach Niederbronn-les-Bains
Vom 18. bis zum 22. Mai 2026 machten sich 15 Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit Frau Ivan und Frau Schaub auf den Weg nach Niederbronn-les-Bains im Elsass, um dort unsere deutsch-französische Begegnungsfahrt fortzusetzen. Nachdem wir bereits im vergangenen Jahr den Grundstein für unser Friedensprojekt gelegt hatten, stand auch diesmal vieles im Zeichen von Erinnerungskultur, europäischer Verständigung und der Frage, wie junge Menschen heute gemeinsam Verantwortung für die Zukunft übernehmen können.
Natürlich durfte dabei auch das Wichtigste nicht fehlen: neue Freundschaften, gemeinsames Lachen, französisches Essen und die ein oder andere sportliche Herausforderung in den Vogesen. Denn so viel sei verraten: Nicht jede Wanderung fühlte sich für alle Beteiligten wie ein gemütlicher Sonntagsspaziergang an.
Bereits am ersten Nachmittag zeigte sich schnell, wie unkompliziert Begegnung funktionieren kann. Durch Kennenlernspiele, Interviews und gemeinsame Gruppenaufgaben kamen deutsche und französische Jugendliche rasch miteinander ins Gespräch. Anfangs wurde noch vorsichtig zwischen Deutsch, Französisch, Englisch und Händen und Füßen gewechselt – spätestens nach den ersten gemeinsamen Spielen war das Eis jedoch gebrochen. In gemischten Gruppen entstanden kreative Steckbriefe, die später unsere Unterkunft schmückten und symbolisch für die neu entstandene Gemeinschaft standen.
Der Dienstag stand ganz im Zeichen der Geschichte des Elsass – einer Region, die über Jahrhunderte hinweg zwischen Deutschland und Frankreich stand und bis heute von dieser Vergangenheit geprägt ist. Am Vormittag besuchten wir einen Soldatenfriedhof, auf dem die Schüler und Schülerinnen Geschichten von persönlichen Schicksalen von Soldaten, Zivilisten und Kindern hörten. Durch historische Briefe, Biografien und Zeitdokumente wurde deutlich, dass Geschichte weit mehr ist als bloße Jahreszahlen im Unterricht. Viele Jugendliche waren beeindruckt, wie nah und persönlich die Geschichten einzelner Menschen auch heute noch wirken können.
Am Nachmittag führte uns eine Wanderung durch die Vogesen zu mehreren Burgruinen. Besonders symbolisch war dabei der kurze Grenzübertritt nach Deutschland. Was früher oftmals trennte, ist heute durch Offenheit und Zusammenarbeit selbstverständlich geworden – ein Gedanke, den die Schülerinnen und Schüler während der gesamten Woche immer wieder aufgriffen.
Neben geschichtlichen Themen stand natürlich auch der Teamgeist im Mittelpunkt. Gemeinsame Aufgaben entlang der Wanderstrecke sorgten trotz einiger müder Beine für viel gute Stimmung. Und spätestens beim Blick auf die wunderschöne Landschaft waren sich alle einig, dass sich der Weg gelohnt hatte.
Zwischen Vergangenheit und Europa von heute
Ein besonders eindrucksvoller Tag war der Mittwoch. Am Vormittag besuchten wir die Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Natzweiler-Struthof. Für viele Schülerinnen und Schüler war dieser Ort emotional sehr bewegend. Die dort dokumentierten Verbrechen des Nationalsozialismus machten deutlich, warum Erinnerungskultur auch heute noch so wichtig ist und weshalb Demokratie und Menschenrechte niemals selbstverständlich sind.
Am Nachmittag folgte dann ein starker Kontrast: der Besuch des Europäischen Parlaments in Straßburg. Vom Ort des Schreckens hin zu einem Zentrum europäischer Zusammenarbeit – eindrucksvoller hätte dieser Perspektivwechsel kaum sein können. Während einer Sitzung erhielten die Jugendlichen direkte Einblicke in die Arbeit europäischer Politik und konnten erleben, wie eng die Länder Europas heute zusammenarbeiten.
Natürlich durfte anschließend auch ein wenig Straßburg-Atmosphäre nicht fehlen: Münster, Altstadt, kleine Gassen und – für viele fast genauso wichtig – der gemeinsame Flammkuchen-Abend in der Brasserie „Le Meteor“.
Der Donnerstag zeigte schließlich noch einmal auf besondere Weise, wie kreativ Verständigung sein kann. In deutsch-französischen Workshops arbeiteten die Jugendlichen gemeinsam zu Themen wie Frieden, Zusammenhalt und Erinnerungskultur. Ob Theater, Hip-Hop, Film, Stop Motion oder Rap-Poésie – überall entstanden beeindruckende Ergebnisse, die historische Themen mit modernen Ausdrucksformen verbanden.
Besonders schön war zu beobachten, wie schnell aus anfänglicher Zurückhaltung echte Gemeinschaft wurde. Viele Schülerinnen und Schüler, die sich zu Beginn der Woche kaum kannten, arbeiteten nun selbstverständlich zusammen, lachten miteinander und unterstützten sich gegenseitig.
Ein sportliches Highlight bildete am Abend das deutsch-französische Fußballspiel. Beide Mannschaften kämpften mit großem Einsatz um den Sieg – wobei die französische Mannschaft am Ende das glücklichere Händchen hatte. Die deutsche Niederlage wurde jedoch erstaunlich fair und humorvoll aufgenommen. Manche behaupten sogar, der anschließende Tanzabend sei ohnehin wichtiger gewesen als das eigentliche Spielergebnis.
Und tatsächlich wurde der Abend noch einmal zu einem echten Höhepunkt der Woche: Gemeinsam wurde getanzt, gesungen und gefeiert – mit internationalen Liedern, ländertypischen Snacks, die man bereits daheim organisiert hatte, Gruppentänzen und jeder Menge guter Laune.
Am letzten Tag richtete sich der Blick schließlich bewusst nach vorne. Gemeinsam gestalteten deutsche und französische Jugendliche den „Garten der Zukunft“ weiter und pflanzten neue Blumen als Symbol für Frieden, Freundschaft und ein gemeinsames Europa. Zusätzlich entstanden Pflanzenstecker mit persönlichen Wünschen und Hoffnungen für die Zukunft.
Gerade diese Aktion machte deutlich, worum es bei solchen Begegnungen eigentlich geht: Erinnerung bewahren, Verantwortung übernehmen und aktiv daran mitarbeiten, dass Verständigung zwischen Menschen gelingt – und dies kann jeder von uns! Wir haben diese Woche gemerkt: Es ist ganz einfach, man muss es nur probieren!
Mit vielen neuen Erfahrungen, bewegenden Eindrücken und zahlreichen neu entstandenen Freundschaften traten wir am Freitagnachmittag schließlich die Heimreise an.
Die deutsch-französische Begegnungsfahrt war weit mehr als eine gewöhnliche Schulreise. Sie verband historisches Lernen mit persönlichen Begegnungen und ermöglichte den Jugendlichen Erfahrungen, die weit über den Unterricht hinausgehen.
Erinnerungskultur, Offenheit und gegenseitiger Respekt wurden in dieser Woche nicht nur besprochen, sondern aktiv gelebt. Die Fahrt zeigte eindrucksvoll, wie wichtig internationale Begegnungen für junge Menschen sind – und wie lebendig Europa sein kann, wenn Menschen miteinander statt übereinander sprechen.
[Sab – 06/26]
